GEISTESBLITZ

Eingesetzt Samuel Chavkin (1927–2008)

Geistesblitz
Da psychoaktive Substanzen eingenommen werden,
ich gehe in einen tiefen Zustand
und fühle vermehrende Liebe für den Wächter.

Er versetzt alle Wesen,
die mit seinem neuronalen Netz verbunden sind,
in Euphorie.

Wenn ich das tue, habe ich keine Bedenken
über das Zerstören von Nonkonformisten
oder tun, was auch immer der Wächter befiehlt.

Der Wille des Wächters ist meine Befehlsform –
Einzelgedanken sind überflüssig.

Jeder sechs Nanosekunden erhalte ich
ein glückseliger neurochemischer Anstieg.

Diejenigen, die zum Netz unverbunden sind,
können sich nicht solches Entzücken vorstellen.

Unsere Hüterin bringt Freude auf seine Anhänger.
Jörg: Sieht das nicht aus wie Science-Fiction?
Kōrō: Ja. Aber wenn man genau auf Tendenzen in Informatik und Neuroforschung schaut, ist dieses Szenario nicht so unwahrscheinlich.
Jörg: Die Diktatoren der Zukunft werden das lieben. Autokratische Systeme nähren sich von Angst.
Mia: Nun, menschliche Gehirne suchen Freude.
Wen: Vielleicht, aber es gibt einen Preis dafür. Ein System, das nur auf Lust basiert, ist nicht nachhaltig.
Mia: Und doch – wenn kurzfristiges Glück versprochen wird, nehmen viele das Risiko in Kauf.